Sebastian Kehl hatte am Samstagabend allen Grund zur Freude. Nach einer Bundesliga-Saison mit Höhen und Tiefen krönte Borussia Dortmund den letzten Spieltag mit einem souveränen 3:0-Sieg gegen Holstein Kiel – und sicherte sich damit doch noch Platz vier.
Der Einzug in die Champions League war geglückt, auch wenn dieser zwischenzeitlich kaum mehr greifbar schien. Dass es die Mannschaft von Niko Kovač dank einer fulminanten Aufholjagd doch noch schaffte, ließ Kehl strahlen.
Keine 24 Stunden später sitzt der Sportdirektor in der Runde des Fußballtalks "Doppelpass", flankiert von Stefan Effenberg und Matze Knop. Euphorie? Nur bedingt. "Es war ein gelungener Abschluss. Aber wir verfallen jetzt nicht in Euphorie und haben einiges aufzuarbeiten, vor allem aus der Hinrunde", betont Kehl.
Dass es beim BVB nun um mehr geht als um das Verwalten des Status quo, machte Kehl in seinen Aussagen deutlich. Vor dem Klub liegt ein Sommer mit internationalem Programm – unter anderem der Teilnahme an der Klub-WM in den USA – und einer Transferperiode.
Kehl kündigte an: "Wir werden versuchen, jetzt mit einigen Sachen voranzukommen und es gibt ja auch ein neues Transferfenster Anfang Juni. Wir werden es in aller Ruhe besprechen und dann die richtigen Ableitungen treffen. Wir wollen auch wieder in das Top-Talente-Segment investieren."
Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht dürfte sich einiges bewegen. "Wir werden versuchen, einige dieser Personalien zu lösen. Wir wollen Gehälter sparen. Dennoch kann es passieren, dass wir mit einigen dieser Jungs weitermarschieren. Aber einige werden in der kommenden Saison eventuell nicht mehr beim BVB spielen."
Ein Satz, der sich wie eine offene Flanke für Spekulationen liest – und bei einem Namen besonders hängenbleibt: Jamie Gittens.
Der englische Flügelspieler galt einst als eines der größten Versprechen in Dortmund. Doch der große Durchbruch blieb bislang aus.
Kehl ließ im "Doppelpass" erstmals offen durchblicken, dass Gittens' Zeit beim BVB zu Ende gehen könnte: "Für ihn gibt es sicher einen Markt. Er ist ein hochspannender Spieler. Wir werden die Gespräche jetzt auch führen. Wenn etwas reinkommt, werden wir uns damit beschäftigen müssen."
Was wie eine diplomatische Standardfloskel klingt, hat wohl konkreten Hintergrund. Bereits vor einigen Wochen berichteten die "Ruhr Nachrichten", dass Gittens, dessen Vertrag bis 2028 läuft, selbst intern auf Abschiedskurs sei. Aussagen wie "Ich bin eh bald weg" oder "Nächstes Jahr spiele ich auf keinen Fall mehr hier" sollen in der Kabine gefallen sein.
Demnach habe er seinen Wechselwunsch auch den Klubverantwortlichen über seine Berateragentur Elite Project Group Limited mitgeteilt, heißt es. Das Fernziel scheint ebenso klar: ab auf die Insel und rein in die Premier League.
Gittens will sich in seiner Heimat für die Weltmeisterschaft 2026 empfehlen. In Dortmund reichte es bislang lediglich für Einsätze bei Englands U21, in der Premier League hingegen erhofft er sich den Sprung in den Kreis der A-Nationalmannschaft.
Zuletzt war vor allem der FC Chelsea interessiert, mit dem es laut "Ruhr Nachrichten" bereits einen ersten Austausch gegeben haben soll. Doch auch andere Topklubs der Insel zeigen offenbar Interesse. Besonders heiß gehandelt wird aktuell ausgerechnet Chelseas Stadtrivale: der FC Arsenal.